Die Not unserer Zeit

 

Jede Zeit hat seine Nöte: politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Probleme.

Dennoch gibt es:

  • Zeiten, die vergleichsweise ruhig verlaufen. "Ruhig" heißt nicht, dass es keine Auseiandesetzungen gibt, friedliche und gewalttätige. So z.B. im 19. Jahrhundert, in dem zwar die Auswirkungen vor allem der voran gegangenen geistigen Umwälzungen der  zwei Jahrhunderte vorher schrittweise in gesellschaft-politische Wirklichkeit umgesetzt wurden. Aber ohne tiefgreifende neue geistige Konzepte.
     
  • Zeiten großer geistiger Umbrüche und Paradigmenwechsel.
    So z.B. das 18. Jahrhundert  mit der in diesem Jahrhundert auf seinen Höhepunkt gelangenden geistigen Auseinandersetzung mit den politischen, und gesellschaftlichen Grundlagen in Mitteleuropa, die den Namen "Aufklärung" erhielt. Sie führte zu der politisch-gesellschaftliche Explosion der Französischen Revolution.
    Oder die Epoche der Renaissance, in der vornehmlich im 15. und 16. Jahrhundert einerseits ein neues Menschenbild entstand mit tiefgreifenden Auswirkungen auf alle Sparten der Kunst. Andererseits wurden in dieser Zeit die Grundlagen für eine neue Denkweise und Methodik der Wissenschaft, vor allem der Naturwissenschaft gelegt, die bis in unsere heutige Zeit hineinreicht.

In unserer Zeit, und damit ist das vergangene 20. und das eben begonnene 21. Jahrhundert gemeint, zeichnen sich immer deutlicher neue grundlegende Veränderungen ab. Und im Gegensatz zu den bisherigen großen Umwälzungen sind davon immer mehr alle geographischen Bereiche der Erde betroffen.

 

In den zwei großen Weltkriegen und in der Zeit dazwischen zerbrachen nicht nur die gerade erst durch die Aufklärung neu gesichert geglaubten humanistischen Ideale für das menschliche Selbstverständnis und Zusammenleben. Für erprobt und bewährt gehaltene Wirtschaftsstrukturen und  -methoden erweisen sich im Zuge einer rasant voranschreitenden technischen und wirtschaftspolitischen Globalisierung als brüchig und krisenanfällig. Und das in den vergangenen rd. 500 Jahren entstandene naturwissenschftlich-technische Weltbild stösst immer deutlicher an seine Grenzen.

 

Im Makro- und Mikrokosmos und in der Geschichte und in den lebendigen Abläufen der Natur werden ungeahnte Dimensionen und fundamental neue Zusammenhänge deutlich. Sie bringen in Jahrhunderten mühsam errungene Denkprinzipien und Vorstellungswelten ins Wanken.

 

Kurzum: "Die Welt ist aus den Fugen" und der Beobachter erschrickt: "weh mir, dass ich geboren ward, sie einzurenken"

 

Was ist not - wendig?

Eines ist sicher:

 

Der durch das "sapere aude" von Immanuel Kant gegangene Mensch muss sich mit all seinen Verstandeskräften diesen Nöten stellen. Aber er muss die naive Verkürzung des Begriffes "Verstand" auf "Vernunft"  der Aufklärung  überwinden.

 

Und er muss seine Fähigkeit zu verstehen dazu verwenden, um

  • sich zunächst einmal Rechenschaft darüber abzulegen, wie es zu diesen neuen Nöten kommen konnte.
  • und  sich dann den nun schon seit über 100 Jahren sich immer deutlicher aufdrängenden neuen Erkenntnissen stellen.

Dazu sollen die auf der nächsten Seite angebotenen Überlegungen dienen.