Ohne Herkunft gibt es keine Zukunft

Darüber sind sich Philosophen, Soziologen und Politiker - ausnahmsweise –  einig. Was aber Herkunft ist und bedeutet, da gehen dann die Meinungen wieder  auseinander. Ich will das hier nicht weiter untersuchen.

Denn hier geht es um meine Herkunft, und das Nachdenken darüber führt zunächst einmal zu der Frage „wer bin ich?“ Dazu lässt sich noch relativ leicht etwas sagen, wenn es nur darum geht, zu beschreiben, wie ich heiße, wo und wann ich geboren bin, und was ich so im Laufe meines Lebens gemacht habe. Darüber erzähle ich ein bisschen etwas im Abschnitt „Mein Leben“.

Etwas schwieriger wird es schon, zu beschreiben, was und wie ich denke und fühle. Dabei kommt man, zumal in meinem Alter, recht schnell ins Grübeln. Und dabei landet man sehr bald bei der Frage: „wo komme ich her?“

 

Meine Vorstellungsmöglichkeit reicht bis zu meinen Großeltern. Und  davor kann ich noch ein bisschen etwas erfahren aus den Familien-Stammbäumen. Danach stammt mein Großvater väterlicherseits aus der fränkischen Schweiz, ca. 40 km entfernt von Nürnberg, wo ich heute lebe. Die Großmutter väterlicherseits stammt aus Niederbayern, ca. 120 km von Nürnberg entfernt. Die Vorfahren dieser Großeltern stammen ebenfalls aus diesen Räumen, also insgesamt ein geographisch kulturell überschaubarer Bereich, mit dem mich auch viel persönliche Erfahrung verbindet. Wenn ich dann noch lerne, dass die Vorfahren meines Großvaters wohl über viele Generationen Wald- und Jagdhüter waren, dann erklärt mir das etwas meine große Liebe zu Wald und Bergen und mein Gefühl der Geborgenheit in dieser Natur.

 

 

 

 

 

 

Nicht ganz so einfach ist die Geschichte meiner Vorfahren mütterlicherseits. Wenn die noch vorhandenen Informationen stimmen, kamen Großvater wie Großmutter  aus der Tradition der Herrenhuter Brüdergemeinde, also aus Böhmen, und davor  vielleicht sogar aus den österreichischen Alpen. Das immer wieder Weiterziehen  war ein Grund-Charakteristikum ihres Lebens, das sich bis auf meine Mutter übertrug und das auch noch Teil meines Lebensweges und der von mir gegründeten Familie wurde.

 

Vielleicht kommt auch aus dieser Herkunft mein ausgeprägtes Bedürfnis nach selbständigem Denken. Und selbständiges Denken und Herumziehen bedingen sich ja wohl gegenseitig.


Mit diesem sich Erinnern an meine Vorfahren in noch nachvollziehbarer Zeit entsteht ein erstes Verständnis einer Herkunft, das mir einige Grundzüge meines Selbstverständnisses zumindest plausibel macht. Immerhin macht es aus dieser Herkunft Sinn, dass ich Naturwissenschaftler wurde. Es macht auch Sinn, dass ich bei der Wissenschaft von der Natur nicht stehen geblieben bin und mich schon als Schüler auch für Philosophie und Religion als Gebiete des selbständig denkenden Lernens interessierte. Da lassen wohl die Herrenhuter Brüder grüßen.

 

Und doch war und ist der Grundantrieb meines Suchens und Lernens seit Schülerzeiten das Bedürfnis, die Natur zu verstehen. Und dabei bedeutet verstehen immer sowohl objektives  nachvollziehen, wie auch subjektives, persönliches Erleben.


Kein Wunder, dass ich nun schon seit gut 50 Jahren versuche, objektiv Bewiesenes und subjetiv dabei Empfindbares in der Harmonik zusammenzuführen.